Wärmeres Klima verschlechtert Nektar-Qualität

Versuchsanordnung zur Bestimmung des Einflusses der Erwärmung auf die Qualität des Nektars.
Versuchsanordnung zur Bestimmung des Einflusses der Erwärmung auf die Qualität des Nektars.
© Peel et al./ Global Change Biology

Forschende der University of Ottawa haben untersucht, ob sich eine moderate Erwärmung (0,57 °C) negativ auf Nektarpflanzen auswirkt und ob diese Veränderungen sich auf die körperliche Verfassung von wandernden Monarchfaltern (Danaus plexippus) auswirken. Sie führten ein Feldwärmeexperiment am nördlichen Rand des östlichen Monarch-Brutgebiets (Ottawa, Kanada) durch, wobei sie offene Kammern auf drei häufig genutzten Nektarpflanzen der Spätsaison aufstellten: Indianernessel (Monarda fistulosa), Kanadische Goldrute (Solidago canadensis) und Raublatt-Aster (Symphyotrichum novae-angliae). Das Design ermöglichte es den erwachsenen Tieren, sich von den erwärmten Pflanzen zu ernähren, während sie die Zeit außerhalb der Kammern verbrachten, wodurch pflanzenvermittelte Effekte von direkten Erwärmungseffekten isoliert wurden. Bei den meisten Arten führte die Erwärmung zu einer Verringerung der Blütenfülle (12,9 % weniger offene Blüten pro Stiel) und zu einer Abnahme der Nektarzuckerkonzentration um ~24 %, während sich das Nektarvolumen bei der Indianernessel zwischen den Behandlungen nicht unterschied. Anschließend führten sie 5-tägige Fütterungsversuche durch, bei denen erwachsene Monarchfalter sich von erwärmten Pflanzen im Vergleich zu Kontrollpflanzen ernährten, und quantifizierten die Körperzusammensetzung (Fett-, Muskel- und Wassermasse).

Monarchfalter, die sich von erwärmten Pflanzen ernährten, hatten eine um ~26 % geringere Fettmasse als die Kontrollgruppe. Die Ergebnisse liefern experimentelle Belege dafür, dass selbst eine moderate Erwärmung die Nektarqualität und die Blütenpracht beeinträchtigen kann, mit messbaren Auswirkungen auf die Energiespeicher der Bestäuber. Da Fettreserven die Migration und das Überleben im Winter ermöglichen, kann eine durch die Erwärmung verursachte Verschlechterung der Nektarqualität die Leistungsfähigkeit der Monarchfalter während der kritischen Energiezufuhrphase am Ende der Saison beeinträchtigen. Diese Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit, Blütenressourcen in der Spätsaison, die die Nektarqualität unter Erwärmung aufrechterhalten, zu priorisieren und die thermischen Reaktionen der Pflanzen in Strategien zur Wiederherstellung von Lebensräumen und zur Klimaanpassung für wandernde Bestäuber zu integrieren.

Was für die Monarchfalter gilt, dürfte auch andere Bestäuber wie Bienen betreffen. Laut Umweltatlas Berlin ist die durchschnittliche Mitteltemperatur in unserer Stadt seit Beginn der Aufzeichnungen bereits um 1,3°C gestiegen.